
Es liegt malerisch am See. Hinter der Gegengerade spiegelt sich das tiefblaue Wasser, im Hintergrund ragen die steilen Berge der italienischen Lombardei in die Höhe. Das Stadio Giuseppe Sinigaglia liegt direkt am Comer See und ist eine der Hauptattraktionen des weltbekannten Urlaubsidylls. Es ist die Spielstätte von Como 1907, einem Klub, der in der kommenden Saison in der Champions League antreten wird, obwohl er noch vor wenigen Jahren in den unteren italienischen Ligen herumdümpelte.
2019, nach zwei Insolvenzen, übernahmen zwei indonesische Tabak-Milliardäre den Klub, tauschten sein Wappen aus und führten ihn binnen drei Jahren von der Serie D in die Serie B. Trotz der immensen Kaufkraft gingen die Investoren defensiv auf dem Transfermarkt vor. Der spanische Welt- und Europameister Cesc Fàbregas kam 2022 ablösefrei von der AS Monaco. Gleichzeitig stieg Thierry Henry, ebenfalls Welt- und Europameister, als Anteilseigner ein. Beide kamen mit der Perspektive auf großen Einfluss und Dolce Vita und brachten jede Menge Strahlkraft mit, die den Klub ins Rampenlicht rücken ließen. Fàbregas schnürte zwei Jahre lang noch selbst die Schuhe, ehe er als Trainer die Zügel in die Hand nahm.
Spätestens dann erhielt das Projekt europaweite Aufmerksamkeit. Zunächst durch die Verpflichtungen alternder Fußballstars wie Pepe Reina, Raphaël Varane oder Sergi Roberto. Später durch einen fesselnden Spielstil, der so gar nicht zum verstaubten Catenaccio passt und vielleicht gerade deshalb so erfolgreich ist. In der ersten Serie A Spielzeit landete Como auf Anhieb in der oberen Tabellenhälfte, in der zweiten stürmten sie auf Platz 4. Vor Milan und Juventus, die nun in der Europa League antreten.
Wie konnte dieser sagenhafte Aufstieg gelingen? Wie lautet das Erfolgsgeheimnis, mit dem die Lombarden innerhalb kürzester Zeit aus Liga vier in die Königsklasse marschierten? Und ist Fàbregas der nächste spanische Supertrainer nach Guardiola, Enrique, Emery, Arteta, Alonso, Maresca und de La Fuente? All das klären wir in der heutigen Ausgabe. Viel Spaß beim Lesen, Hören und Schauen.
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Lesestoff aus verschiedenen Perspektiven
Das Auge spielt mit
Eine letzte Kurve
Unter Fàbregas hat sich Como zu einer der souveränsten Mannschaften der Serie A entwickelt. Viel Ballbesitz, hohes Pressing und eine extrem stabile Defensive. Der Spanier hat eine Mannschaft aufgebaut, die den Gegner mit unermüdlichem Einsatz erstickt und stets darauf bedacht ist, ihn so weit wie möglich vom eigenen Tor fernzuhalten. Mit dieser Art des Fußballs wurde Spanien unter Luis de la Fuente Weltmeister. Es gibt gute Argumente, zu behaupten, Fabregas sei der nächste spanische Supertrainer. Als ehemaliger zentraler Mittelfeldspieler auf Weltklasse-Niveau bringt er alle Voraussetzungen hierfür mit. Wie Alonso, Arteta oder Enrique konnte er einst viel von Guardiola lernen. Zudem durfte er zu Beginn seiner Trainerkarriere in Ruhe erste Erfahrungen sammeln. Natürlich war Como kein gewöhnlicher Zweitligist, sondern schon 2022 ein sehr ambitioniertes Projekt, das jedoch erst durch ihn so richtig Fahrt aufnahm.
Dank der Strahlkraft des Coaches und dem gut gefüllten Bankkonto lotste Como zahlreiche Stars an den See. Außerhalb des Platzes agierten die Investoren so professionell, wie es sich Fans von 1860 München oder Hertha BSC in ihren kühnsten Träumen nicht vorstellen hätten können. Der Social Media Auftritt des Vereins war bereits seit Zweitligazeiten an ein internationales Publikum gerichtet. Neuzugänge wurden so in Szene gesetzt, als wären sie Models bekannter Modemarken und nicht Teenager mit beeindruckenden Passquoten. Egal, ob sie im Anzug oder im Trikot posierten, immer sah es unfassbar gut aus. Beim Marketing setzte Como voll auf Nostalgie und italienische Klasse. Und es funktionierte.
In diesem Sommer stellte der Klub ein Trikot mit Nadelstreifen und Hemdkragen vor, tiefblau wie der Comer See. Das Trikot ist so elegant, dass man glatt vergessen könnte, dass es einmal mehr nur ums Geld geht. Como 1907 gehört den reichsten Eigentümern der Serie A. Das soll Fàbregas’ Trainerleistung nicht schmälern, macht aber die Ambitionen des Vereins deutlich. Im Aufstiegsjahr erwirtschaftete Como ein Transferminus von 75 Millionen Euro. Mit Fußballromantik hat das nichts zu tun. Como ist ein Verein, der zielstrebig voranschreitet. Am Ufer des Comer Sees halten sie nicht nur den Kopf über Wasser. Sie beginnen, Wellen zu schlagen. Wellen, die bald schon Mailand erreichen und einen Machtwechsel im italienischen Fußball einläuten könnten.
Danke, dass du SLALOM heute begleitet hast. Wir hoffen, die Kurve hat sich gelohnt.
Nächste Woche steuern wir das nächste Thema an. Hast du Themen, die dich beschäftigen oder möchtest du deine Meinung zur heutigen Thematik mit uns teilen? Dann schreibe uns gerne eine Nachricht auf Instagram oder per Mail.
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