
Die Vorrunde der XXL-WM neigt sich dem Ende zu. Endlich. Auch wenn Underdogs wie Kap Verde oder DR Kongo für Begeisterung sorgten, wird es Zeit, dass dieses Turnier richtig losgeht. Und das wird es spätestens ab dem Sechzehntelfinale. Zuvor steht allerdings noch der dritte Spieltag an. Ab jetzt laufen die Spiele einer Gruppe parallel, ab jetzt beginnt die große Rechnerei.
Für Deutschland, Mexiko und die USA geht es um die goldene Ananas. In anderen Gruppen ist dagegen noch richtig Musik drin: Kanada duelliert sich mit der Schweiz um den Gruppensieg, bei Brasilien und Marokko entscheidet womöglich jedes Tor über den besseren Weg durchs Tableau, und in der Gruppe der Niederlande schielen gleich drei Teams auf Platz eins.
In dieser Ausgabe blicken wir auf die nächsten zwölf Partien bis Freitag und liefern euch wie gewohnt Artikel, Podcast- und Videoempfehlungen rund um die WM. Heute im Angebot: Zwischenbilanzen nach dem zweiten Spieltag und eine Vorschau auf die nächsten 24 Stunden. Zum Abschluss gibt es außerdem eine kleine Lobeshymne auf das heutige Geburtstagskind. Um wen es geht, verraten wir in der Letzten Kurve.
Zwölf Spiele, zwölf Linien
Schweiz - Kanada
Kanada hat mit dem 6:0 gegen Katar Euphorie entfacht, muss nach der schweren Verletzung von Ismael Koné aber ein zentrales Puzzleteil ersetzen. Die Schweiz wirkt noch nicht restlos überzeugend, hat mit Xhaka, Tiefe von der Bank und Manzambi aber mehr individuelle Qualität. Kanada reicht wohl ein Remis zum Gruppensieg, genau danach riecht es auch.
Bosnien-Herzegowina - Katar
Bosnien war gegen Kanada und die Schweiz lange im Spiel, bekam die Tür aber jeweils nicht sauber zu. Katar startete mit einem Achtungserfolg, wurde gegen Kanada dann allerdings so deutlich zerlegt, dass selbst Lopetegui kurz nach Doha gegoogelt haben dürfte. Bosnien bringt mehr Härte, Erfahrung und Zielstrebigkeit mit, deshalb liegt der Vorteil klar bei Dzeko und Co.
Schottland - Brasilien
Schottland reist mit der Tartan Army, viel Gefühl und der Chance auf historische K.o.-Runden-Luft nach Miami. Brasilien sah gegen Haiti deutlich besser aus als zum Auftakt, auch weil Matheus Cunha Struktur und Präsenz brachte, bleibt aber noch weit weg vom ganz großen Glanz. Die Party gewinnt Schottland, das Spiel eher Brasilien.
Marokko - Haiti
Marokko hat diese Gruppe bislang mit Intensität, Tempo und erstaunlicher Reife geprägt und gehört nicht zufällig auch im Podcast-Ranking zu den erweiterten Turnierfavoriten. Haiti ist bereits ausgeschieden, hat sich aber besser verkauft als die nackten Ergebnisse zeigen. Vielleicht schenkt Frantzdy Pierrot seinem Land noch das erste WM-Tor seit 52 Jahren, für Punkte dürfte es gegen Marokko trotzdem kaum reichen.
Tschechien - Mexiko
Mexiko ist bereits sicher weiter und trägt die Heim-Euphorie wie einen Rückenwind durch diese Gruppe. Tschechien braucht den Sieg, bietet bislang aber vor allem lange Bälle, Kopfbälle und sehr viel Hoffnung auf den zweiten Ball. Wenn Mexiko rotiert, wird es enger, spielerisch bleibt der Gastgeber trotzdem vorne.
Südafrika - Südkorea
Südafrika hat sich nach dem schlimmen Auftakt zwar etwas stabilisiert, wirkt aber weiter wie das schwächste Team der Gruppe. Südkorea enttäuschte gegen Mexiko, besitzt mit Son, Lee Kang-in und mehr Struktur aber genug Qualität, um Platz zwei klarzumachen. Das wird kein Festival, aber die Koreaner sollten sich im Südschlager durchsetzen.
Curaçao - Elfenbeinküste
Curaçao hat seinen ersten WM-Punkt geholt und damit schon mehr erreicht, als viele erwartet hatten. Die Elfenbeinküste kommt gut bis an die letzte Linie, lebt stark von Diomande und Amad, vergisst vor dem Tor aber zu oft, dass Schönheit keine Tore zählt. Wenn die Ivorer ihre Geschwindigkeit sauberer ausspielen, sollte es für den Einzug in die nächste Runde reichen.
Ecuador - Deutschland
Deutschland ist bereits sicher Gruppenerster und darf gegen Ecuador erstmals ein bisschen an der K.o.-Phase riechen. Die Frage ist weniger, ob Nagelsmanns Team weiterkommt, sondern wie viel Rhythmus nach möglichen Wechseln noch bleibt. Ecuador braucht vermutlich ein kleines Wunder und eine Defensive, die endlich wieder so stabil steht wie ihr Ruf.
Japan - Schweden
Japan hat nach zwei Spieltagen bestätigt, dass diese Mannschaft kein hübscher Geheimtipp, sondern ein echter Turniergegner ist. Schweden bringt Wucht, Körper und eine Offensive mit, die jedes Spiel offen halten kann, gegen Oranje aber auch die eigenen Grenzen sah. Japan ist feiner, Schweden brachialer, der Punktvorteil macht die Asiaten leicht favorisiert.
Tunesien - Niederlande
Tunesien geht verdient Richtung Ausgang, der Trainerwechsel hat aus dem Fehlstart keine neue Geschichte gemacht. Die Niederlande sind keine Titelmaschine, aber klar stabiler als die meisten B- und C-Nationen dieser WM. Oranje sollte dieses Spiel kontrollieren und den Gruppensieg sichern, sofern es nicht in holländische Selbstzufriedenheit kippt.
Türkei - USA
Die Türkei ist bereits raus und spielt nur noch um einen halbwegs würdigen Abschied aus einem Turnier, das viel zu naiv angegangen wurde. Die USA sind weiter ein sportlicher Hingucker, auch wenn der Hype nach dem Pulisic-Ausfall nicht grenzenlos wachsen sollte. Ohne ihren wichtigsten Star wird es zäher, trotzdem spricht die Struktur der Gastgeber für den nächsten Dreier.
Paraguay - Australien
Paraguay hat nach dem schwachen Auftakt immerhin noch eine Tür im Turnier gefunden, muss gegen Australien aber deutlich mehr anbieten als nur Robustheit. Die Socceroos leben von Erfahrung, Leidensfähigkeit und der Fähigkeit, Spiele auch mit wenig Ballbesitz in ihre Richtung zu biegen. Das wird eng, hässlich und sehr australisch, mit leichten Vorteilen für die Mannschaft, die solche Abende schon kennt.
Artikel-, Podcast- und Videoempfehlungen
Eine letzte Kurve
Er ist der einzige, dem verziehen wird, nicht rückwärts zu arbeiten. So überhaupt gar nicht. Spielt er deshalb immer noch so gut, weil er seinen Körper jahrelang schonte? Oder weil er für dieses Spiel, sein Spiel, einfach keinerlei Körperlichkeit braucht und alles über seine Technik regelt? Dann könnte er auch noch fünf Jahre spielen, er bliebe der Beste. Denn das was er aktuell bei dieser WM zeigt, diese Leichtigkeit, mit der er mal eben fünf Tore in zwei Spielen erzielte, hebt ihn wieder einmal vom Rest ab. Er ist nach wie vor der Beste. Und seit heute 39 Jahre alt.
Feliz Cumpleaños, Leo Messi.
Danke, dass du SLALOM heute begleitet hast. Wir hoffen, die Kurve hat sich gelohnt.
Nächste Woche steuern wir das nächste Thema an. Hast du Themen, die dich beschäftigen oder möchtest du deine Meinung zur heutigen Thematik mit uns teilen? Dann schreibe uns gerne eine Nachricht auf Instagram oder per Mail.
Bis bald
Dein SLALOM-Team