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Spanien sichert sich den zweiten Stern und setzt sich nach einem harten Kampf im Finale gegen Argentinien durch. England wird nach dem wohl furiosesten Spiel des Turniers Dritter. Deutschland scheitert einmal mehr vor dem Achtelfinale. So viel zum Sportlichen.

Abseits des Platzes schrieb diese Weltmeisterschaft Geschichten, die sich die einen in ihrer Absurdität nie hätten vorstellen können und die andere schon lange hatten kommen sehen. Dass ein zuvor weitgehend unbekannter Torwart nach einem starken Abend, vor allem aber dank eines Internethypes, Manuel Neuer bei den Instagram-Followern überholt, passt perfekt in unsere Zeit. Genauso gut passt aber auch, dass ein somalischer Schiedsrichter wegen seiner Herkunft nicht in die USA einreisen darf.

All das kann überraschen oder mit einem gelangweilten Augenrollen zur Kenntnis genommen werden. Denn politische Willkür und die Schnelllebigkeit unserer Zeit sind genau der Stoff, aus dem diese Geschichten gemacht sind. Doch was wird von diesem Turnier bleiben? Welche Entwicklungen reichen über die Ergebnisse hinaus und erzählen etwas über den Zustand des Weltfußballs?

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SLALOM-Sechserkette: Was hängen bleibt

  1. Der DFB hat ein Problem

    Und dieses Problem lässt sich nicht allein mit der Menge schwarz-rot-goldener Pigmente auf dem Trikot, Gebetskreisen, dem Trainer oder Manuel Neuer erklären. Der DFB braucht eine Kernsanierung. Gut möglich, dass Jürgen Klopp Teil der Antwort ist. Doch es braucht weit mehr als einen neuen Bundestrainer.

  2. Oh Gianni!

    Gäbe es Donald Trump nicht, wäre Gianni Infantino wohl der unangefochtene Favorit auf den Titel „Bösewicht des Jahres“. Der FIFA-Präsident bewegt sich von Skandal zu Eklat mit einer Nonchalance, als gehörte genau das zur Stellenbeschreibung. Und trotzdem sitzt er gefühlt so fest im Sattel wie nie zuvor.

  3. Moneyball

    Wenn uns diese Weltmeisterschaft eines gelehrt hat, dann, dass die FIFA bereit ist zu lernen – zumindest dann, wenn es um die Hyperkapitalisierung des Fußballs geht. Zuschauerrekorde, Rekordumsätze und plötzlich wird Fußball in Vierteln gespielt. Oder, um es in einem Satz zusammenzufassen: Hydration Break bei 21 Grad.

  4. Offensive gewinnt Spiele, Defensive gewinnt Titel

    Auf beeindruckende Weise sichert sich Spanien den zweiten WM-Titel der Verbandsgeschichte. Dass die Mannschaft in keinem ihrer acht Spiele in Rückstand geriet, ist ebenso beeindruckend wie die Art und Weise, mit der sie ihren Gegnern reihenweise den Zahn zog. Selbst Mitfavorit Frankreich wirkte über weite Strecken chancenlos – ein Gedanke, der mit Blick auf die nächste Europameisterschaft aus deutscher Perspektive wenig beruhigend ist.

  5. Der Junge aus Rosario

    Zwar scheiterte Lionel Messi mit Argentinien im Finale an Spanien, dennoch zeigte er eindrucksvoll, wie ein Old Man’s Game aussehen kann. Acht Tore und vier Vorlagen in acht Spielen sowie der erneute Einzug ins WM-Finale machen deutlich, wer im fortgeschrittenen Fußballeralter noch immer die Nase vorn hat und senden ganz nebenbei eine klare Botschaft an einen gewissen Portugiesen.

  6. Regeln sind Regeln

    Ob „VARgentinien“, die vom norwegischen Torhüter abgeschossene Spidercam oder das aberkannte Eckballtor von Jonathan Tah: Strittige Szenen gehören zu jedem großen Turnier. Dass sich jedoch ein Staatspräsident öffentlich in eine Rotsperre einschaltet, war selbst für WM-Verhältnisse ein Novum. All diese Vorfälle sorgten dafür, dass sich viele Beobachter im Laufe des Turniers zumindest probehalber den Aluhut aufsetzten. Wer will es ihnen verdenken?

Eine letzte Kurve

Auf der internationalen Bühne entwickelt sich der Fußball genau so, wie es sich die grauen Herren in den Verbandszentralen immer gewünscht haben. Er bringt mehr Geld, wird schneller, massentauglicher und produziert Geschichten am Fließband. Vor allem aber lässt er sich besser vermarkten als je zuvor.

Fans zahlen Mondpreise für 90 Minuten durchschnittlichen Fußball, doch so richtig scheint sich kaum jemand daran zu stören. Vielleicht ist genau das die unumkehrbare Entwicklung, auf die der Sport seit Jahren zusteuert. Nationalmannschaften werden immer mehr zu den Harlem Globetrotters des Fußballs. Sie ziehen von Turnier zu Turnier, präsentieren Merchandising, das nebenbei auch als Trikot dient, und tragen Schuhe, die selbst aus der letzten Reihe des Fernsehbilds noch als Werbefläche funktionieren.

Die Stadien sind voll, ebenso die Pubs und Bars. Millionen Menschen sehnen sich nach dieser Art von Fußball, die alle zwei Jahre ihr schillerndstes Kleid anzieht, den verlaufenen Lidschatten nachzieht und sich mit einem kalten Lächeln auf eine Bühne stellt, auf der ihr ein sensationshungriges Publikum bereitwillig Geldscheine zusteckt, bis endlich wieder die Bundesliga beginnt.

Danke, dass du SLALOM heute begleitet hast. Wir hoffen, die Kurve hat sich gelohnt.

Nächste Woche steuern wir das nächste Thema an. Hast du Themen, die dich beschäftigen oder möchtest du deine Meinung zur heutigen Thematik mit uns teilen? Dann schreibe uns gerne eine Nachricht auf Instagram oder per Mail.

Bis bald
Dein SLALOM-Team

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