Auf einen Schlag war Ruhe da. Je nachdem, welcher Quelle man Glauben schenken mag, hatte der FC Bayern im Juli 2024 die viert-, fünft- oder sechstbeste Lösung für den Trainerstuhl in München gewinnen können. Die Posse, die den größten Verein Deutschlands wenig rühmlich aussehen ließ, kam zu einem Ende. Vincent Kompany sollte es richten.

Wo der Club zunächst noch viel Spott kassierte und viele Medien aufgrund Kompanys Abstieg mit Burnley skeptisch waren, sind sich heute alle einig: Kompany und die Bayern – das passt! Erstmals seit 25 Jahren konnte der FCB in der vergangenen Woche im Bernabéu gewinnen, die Meisterschaft ist dank eines komfortablen 12-Punkte-Polsters so gut wie eingetütet und auch im DFB-Pokal winkt der erste Titel seit 2020.

Doch die sportliche Performance ist nicht das einzig Überraschende der Kompany-Bayern. Der oft monierte dünne Kader, Leon Goretzkas Abschiedstournee und Jerome Boatengs „Drohung“ einer Hospitanz. Keines dieser Störgeräusche kam bei der Mannschaft an, weil ihr Trainer alles an sich abprallen ließ und professionell, aber auch respektvoll abmoderierte. Den Verein umgibt eine Ruhe, wie es sie, auch mit dem entsprechenden Erfolg, nur selten beim Rekordmeister gibt. Warum gelingt das seit Jupp Heynckes erstmals diesem recht unerfahrenen Trainer?

Dieser Frage sind wir in dieser Woche nachgegangen und haben euch die besten Podcasts, Artikel und Videos dazu verlinkt. Wenn euch die Ausgabe gefällt, leitet sie gerne an alle weiter, die sich für Kompany und die Bayern interessieren.

Hier gibt’s was auf die Ohren

Vier Perspektiven auf Kompanys Bayern

Das Auge spielt mit

SLALOM-Sechserkette: Spitze – auf und neben dem Platz

Meistertrainer hat die Bundesliga in ihrer 63-jährigen Geschichte viele hervorgebracht, doch nur 15 davon waren auch Spieler auf höchstem Niveau, als Nationalspieler ihres Landes. Kompany ist einer von ihnen. Sechs weitere besondere Persönlichkeiten haben wir euch in der heutigen Sechserkette zusammengestellt.

  1. Jupp Henynckes

    Als Spieler war er für Gladbach und Deutschland erfolgreich, stand dabei jedoch trotz Rekordzahlen immer leicht im Schatten des Bombers der Nation, Gerd Müller. Als Trainer gewann er mit Bayern alles, was es zu gewinnen gab und auch mit Real Madrid die Königsklasse. Kaum ein deutscher Trainer hat den Fußball über Jahrzehnte so geprägt wie Heynckes.

  2. Matthias Sammer

    Als Nationalspieler war der Rotschopf für zwei Länder im Einsatz: die DDR und nach der Wende auch für Deutschland. Nach der erfolgreichen Karriere als Spieler coachte er Borussia Dortmund mit nur 34 Jahren zur Meisterschaft. Bis heute war keiner jünger, Julian Nagelsmann verpasste den Rekord denkbar knapp um 33 Tage.

  3. Branko Zebec

    Für Jugoslawien bestritt Zebec 65 Länderspiele, in der Bundesliga führte er Bayern und Hamburg zur Meisterschaft und trainierte außerdem Stuttgart, Braunschweig, Dortmund und Frankfurt. Legendär war, als er vor einem Auswärtsspiel des HSV mit 3,25 Promille angehalten wurde, anschließend die erste Halbzeit auf der Bank verbrachte und die zweite schlafend im Bus. Eingeschlossen von HSV-Manager Günter Netzer.

  4. Xabi Alonso

    Der einzige Trainer der letzten 14 Jahre, der mit einem anderen Verein als dem FC Bayern Meister wurde: 2024 mit Bayer 04 Leverkusen. Zuvor zog Alonso jahrelang im spanischen Mittelfeld die Fäden, wurde Welt- und Europameister und darf aufgrund dieser Ausbeute natürlich nicht in dieser Liste fehlen.

  5. Felix Magath

    Der letzte deutsche Meistertrainer, der zuvor auch Nationalspieler war. Quälix gewann die Bundesliga 2005 und 2006 mit Bayern und 2009 mit Wolfsburg. Als Spieler wurde er Europameister und gleich zweimal Vize-Weltmeister.

  6. Max Merkel

    Der erste ausländische Meistertrainer der Bundesliga und auch der erste, der mit zwei Vereinen die Schale gewann: dem TSV 1860 München 1966 sowie zwei Jahre später dem 1. FC Nürnberg. Als Spieler war Merkel ebenfalls für zwei Nationen aktiv, für die großdeutsche Auswahl und nach dem Krieg für Österreich.

Eine letzte Kurve

Kompanys Auftreten, aber auch den Fußball, den er spielen lässt, lässt selbst die größten Bayern-Kritiker verstimmen. Getragen von einer Mannschaft, die die Sterne vom Himmel spielen will. Kompany schnürt seine vor Offensiv-Ideen sprudelnde Mannschaft nicht künstlich ein, sondern lässt sie das Beste aus sich herausholen. Die Spieler zahlen es ihm mit läuferischem Engagement und Torrekorden zurück.

Er hat es geschafft, aus einem Haufen Hochbegabter ein Team zu formen, das füreinander durchs Feuer geht. Seine Persönlichkeit sowie seine Spielerkarriere standen dabei sicher nicht im Weg. Er erinnert im Umgang mit Mannschaft und Medien an Carlo Ancelotti, der seinen Spielern immer eine lange Leine ließ, unter der Prämisse, dass sie im entscheidenden Moment liefern.

Doch im Vergleich zum Italiener steht Kompany auch taktisch einiges mit. Sein Stil mit Manndeckung über den gesamten Platz ist außergewöhnlich, fast schon aus der Zeit gefallen, doch er funktioniert. Ob er damit eine Epoche prägen kann, bleibt abzuwarten. Bisher gibt ihm der Erfolg jedoch recht. Eine echte Krise musste er als Bayern-Coach noch nicht meistern. Das hat er sich selbst zu verdanken. Seine Qualitäten zeigt der Coach nicht nur in der Spielvorbereitung, sondern auch in Pressekonferenzen, ohne sich dabei selbst in den Mittelpunkt zu stellen.

Diese Mischung aus Ruhe, Struktur und klarer Führung ist außergewöhnlich für einen Bayern-Trainer und steht für den Stil einer neuen Trainer-Generation, der auch andere Guardiola-Schüler wie Xabi Alonso angehören. Das Einzige, was Kompany als Trainer noch fehlt, ist ein großer Titel. Möglicherweise ändert sich das aber bereits in den nächsten Wochen.

Danke, dass du SLALOM heute begleitet hast. Wir hoffen, die Kurve hat sich gelohnt.

Nächste Woche steuern wir das nächste Thema an. Hast du Themen, die dich beschäftigen oder möchtest du deine Meinung zur heutigen Thematik mit uns teilen? Dann schreibe uns gerne eine Nachricht auf Instagram oder per Mail.

Bis bald
Dein SLALOM-Team

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