
Die WM ist jetzt in der Phase, in der schöne Geschichten nicht mehr reichen. Kap Verde hat das Turnier verzaubert, Marokko den afrikanischen Fußball weiter nach vorne geschoben, Norwegen seine Viking Row durchs Land gerudert. Doch langsam wird ausgesiebt. Die ersten Außenseiter streichen die Segel, die Favoriten sortieren sich, und vorne liefern genau die Spieler, die liefern müssen: Messi und Mbappé stehen bei sechs Turniertoren, Haaland und Kane lauern direkt dahinter.
In dieser Ausgabe blicken wir auf die letzten drei Sechzehntelfinals und die ersten vier Achtelfinals. Argentinien trifft auf Kap Verde, Brasilien auf Norwegen, Frankreich auf Paraguay und Mexiko auf England. Es sind Duelle, in denen Außenseiter noch einmal träumen dürfen, aber die großen Turnier-Nationen, zu denen Deutschland einst auch gehörte, so langsam ernst machen.
Dazu empfehlen wir euch heute drei Medien: The Athletic über Marokkos Bedeutung für Afrikas Fußball, die SZ über Norwegens neuen Zusammenhalt rund um Haaland und die Viking Row sowie ein Video von Calcio Berlin zur Frage, wer nach dem deutschen WM-Aus auf Julian Nagelsmann folgen könnte.
Sieben Spiele, sieben Linien
Australien - Ägypten
Australien ist kein Team für Hochglanz, sondern für Überleben: kompakt, körperlich, unangenehm. Ägypten hat mit Salah und Marmoush mehr Klasse im letzten Drittel, muss aber verhindern, dass dieses Spiel in Zweikämpfen, Standards und Geduld versandet. Leichter Vorteil Ägypten, solange die Pharaonen früh genug Tempo finden.
Argentinien - Kap Verde
Kap Verde ist mit drei Remis ins Sechzehntelfinale gekommen und schon jetzt die schönste Außenseiterstory dieser WM. Gegen Argentinien wartet aber der Titelverteidiger mit Messi in Form, Kontrolle im Zentrum und viel zu viel Erfahrung für sentimentale Abende. Kap Verde darf träumen, Argentinien sollte weiterkommen.
Kolumbien - Ghana
Kolumbien hat sich in einer schweren Gruppe stabil und reif durchgesetzt, ohne laut zu sein. Ghana lebt von Physis, Kompaktheit und der Hoffnung, das Spiel lange eng zu halten. Wenn Luis Díaz und James zwischen die Linien kommen, spricht klar mehr für Kolumbien.
Kanada - Marokko
Kanada trägt als Mitgastgeber Tempo, Euphorie und Heimenergie durchs Turnier. Marokko wirkt allerdings wie eine Mannschaft, die für enge K.o.-Spiele gebaut ist: clever, diszipliniert, technisch sauber und nach dem Sieg gegen die Niederlande voller Selbstvertrauen. Das wird eng, aber Marokko hat etwas mehr Turnierreife.
Paraguay - Frankreich
Paraguay hat Deutschland mit Härte, Geduld und einem sehr klaren Plan aus dem Turnier gedrückt. Gegen Frankreich reicht diese Zähigkeit allein kaum, weil Mbappé, Dembélé und Olise viel mehr Wege finden als eine verunsicherte DFB-Offensive. Frankreich ist klarer Favorit und weiß den nächsten Feiertag in Paraguay verhindern.
Brasilien - Norwegen
Brasilien hat sich gegen Japan durchgebissen, wirkt aber weiter nicht wie eine unantastbare Seleção. Norwegen bringt mit Haaland und Ødegaard genau die Qualität mit, um dieses Spiel offen zu halten, wird gegen Brasiliens Breite aber defensiv leiden. Leichter Vorteil Brasilien, aber das Duell verspricht mehr Verlängerung als Samba.
Mexiko - England
Mexiko bekommt England im Azteca und damit ein Heimspiel, das sich nach mehr anfühlt als nur Kulisse. England hat gegen die DR Kongo gewackelt, aber mit Kane, Bellingham und Tuchels Struktur genug Qualität, um auch unangenehme Abende zu ziehen. Auf dem Papier spricht mehr für England, im Azteca aber sicher nicht ohne Stress.
Artikel-, Podcast- und Videoempfehlungen
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