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Haaland, Mbappé und das erste K.o.-Spiel

Die XXL-Vorrunde biegt auf die Zielgerade ein. Noch wird gerechnet, gezittert und gehofft, doch am Sonntagabend wartet schon das erste Sechzehntelfinale. Es geht Schlag auf Schlag.

In den nächsten 48 Stunden fallen die letzten Entscheidungen. Manche Favoriten suchen noch ihren Rhythmus, manche Außenseiter ihr Wunder, andere nur einen würdigen Abschied. Und plötzlich fühlt sich selbst ein dritter Gruppenspieltag nicht mehr nach Pflichtprogramm an, sondern nach letzter Ausfahrt vor der echten WM.

In dieser Ausgabe blicken wir auf die nächsten 13 Spiele, liefern wie gewohnt unsere kurzen Einschätzungen und empfehlen euch drei Artikel, die Themen beleuchten, die vor lauter Tore und Schlagzeilen manchmal etwas zu kurz kommen. Und ja, natürlich ist auch die verdiente deutsche Niederlage gegen Ecuador ein Thema.

Dreizehn Spiele, dreizehn Kurven

Norwegen - Frankreich

Beide Teams sind bereits weiter, jetzt geht es um den Gruppensieg und nebenbei um das direkte Kräftemessen zwischen Haaland und Mbappé, die beide schon bei vier Turniertoren stehen. Frankreich reicht ein Remis für Platz eins, Norwegen braucht den Sieg und dürfte deshalb mehr riskieren. Die Franzosen sind favorisiert, müssen jedoch auf Trainer Deschamps an der Seitenlinie verzichten, der nach dem Tod seiner Mutter abgereist ist. Ob das einen Einfluss haben wird, bleibt abzuwarten.

Senegal - Irak

Für Senegal hängt das Turnier nur noch an einem dünnen Faden, ein hoher Sieg gegen Irak ist Pflicht, um überhaupt noch auf die besten Gruppendritten zu hoffen. Irak braucht ebenfalls einen Sieg und ein deutlich besseres Torverhältnis, kommt aber aus einer Gruppe, in der Frankreich und Norwegen die Grenzen klar aufgezeigt haben. Senegal hat mehr Qualität und Physis, muss jetzt aber endlich so spielen, als wüsste es das selbst.

Kap Verde - Saudi-Arabien

Kap Verde ist schon jetzt die schönste Zumutung für alle, die diese 48er-WM vorab als Niveauverdünnung abgetan haben. Nach den Remis gegen Spanien und Uruguay reicht ein Sieg gegen Saudi-Arabien sicher fürs Sechzehntelfinale, während Saudi-Arabien im Prinzip gewinnen muss. Die Saudis haben mehr Erfahrung auf dieser Bühne, aber Kap Verde das Momentum auf seiner Seite.

Uruguay - Spanien

Spanien reicht ein Remis fürs Weiterkommen, mit einem Sieg wäre der Gruppensieg sicher. Uruguay steht nach zwei Unentschieden unter Druck, muss das Ergebnis von Kap Verde mindestens matchen und könnte bei einer Niederlage sogar früh rausfliegen. Bielsa-Fußball gegen spanische Ballzirkulation klingt nach großem Theater, aber für Uruguay kann aus Spektakel sehr schnell Panik werden.

Ägypten - Iran

Ägypten hat nach dem ersten WM-Sieg seit 92 Jahren plötzlich die Gruppenführung in der Hand, ein Punkt dürfte für Platz eins reichen. Iran ist nach den Remis gegen Belgien und Neuseeland weiter im Rennen, muss aber sportliche Nerven und politische Nebengeräusche rund um das „Pride Match“ in Seattle gleichzeitig sortieren. Das wird vermutlich kein schönes Spiel, sondern ein schweres, enges Ringen um Kontrolle.

Neuseeland - Belgien

Neuseeland braucht den ersten WM-Sieg seiner Geschichte und Hilfe aus dem Parallelspiel, glaubt aber nach den bisherigen Außenseitergeschichten dieser WM weiter an den großen Schlag. Belgien steht mit zwei Punkten und einem Offensivproblem vor dem Abgrund, dazu sind Doku und Lukaku laut Reuters nicht für 90 Minuten bereit. Die Namen sprechen für Belgien, das Turniergefühl bisher eher nicht.

Panama - England

England kann mit einem Sieg den Gruppensieg sichern, muss nach dem 0:0 gegen Ghana aber wieder beweisen, dass Tuchels Mannschaft mehr kann als große Namen gegen tiefe Blöcke zu stapeln. Panama ist bereits raus, hat noch keinen Punkt und noch kein Tor, wird aber genau deshalb unangenehm verteidigen. Alles andere als ein englischer Sieg wäre eine Überraschung, aber ein Glanzabend ist nicht garantier.

Kroatien - Ghana

Ghana reicht ein Remis sicher für die nächste Runde, Kroatien braucht einen Sieg, um nicht in die Lotterie der Gruppendritten zu rutschen. Die alten Kroaten haben gegen Panama gewonnen, und dürften ihre Erfahrung nutzen, um auch gegen ein defensiv kompaktes ghanaisches Team zu gewinnen.

Kolumbien - Portugal

Kolumbien und Portugal sind bereits weiter, jetzt geht es in Miami um Platz eins in Gruppe K. Kolumbien reicht ein Remis, nachdem die Mannschaft gegen Usbekistan und DR Kongo mit kontrollierter Reife gewann, Portugal kommt nach dem 5:0 gegen Usbekistan und Ronaldos Doppelpack mit breiter Brust. Nun müssen die Portugiesen beweisen, dass sie zurecht als Titelkandidat gehandelt werden. Kolumbien aber ist in der Pole Position.

DR Kongo - Usbekistan

Die DR Kongo hat sich mit dem Punkt gegen Portugal Respekt erspielt, braucht gegen Usbekistan aber einen Sieg, um realistisch auf die K.o.-Runde zu hoffen. Usbekistan ist trotz der Klatsche gegen Portugal noch nicht komplett raus, müsste aber gewinnen und sein Torverhältnis polieren. Uns erwartet ein offenes Duell mit unklarem Ausgang.

Algerien - Österreich

Algerien und Österreich spielen direkt um Platz zwei hinter Argentinien, wobei Österreich bei einem Remis wegen des besseren Torverhältnisses vorne bliebe. Rangnicks Team kann also kontrollierter ansetzen, Algerien muss irgendwann aufmachen und genau dann wird es interessant. Ein Unentschieden ist am wahrscheinlichsten.

Jordanien - Argentinien

Argentinien ist bereits Gruppensieger und kann gegen das ausgeschiedene Jordanien dosieren, ohne die Kontrolle über die eigene Turnierlinie zu verlieren. Für Jordanien geht es um einen würdigen Abschied, für Messi und Co. eher um Rhythmus, Belastungssteuerung und vielleicht ein paar weitere Messi-Rekorde. Selbst mit Rotation bleibt der Titelverteidiger klarer Favorit.

Südafrika - Kanada

Südafrika steht nach dem 1:0 gegen Südkorea überraschend erstmals in einer WM-K.o.-Runde. Kanada verlor das Gruppenspiel um Platz eins gegen die Schweiz, muss nun nach Los Angeles ausweichen und hofft, dass die Fanwelle aus Vancouver südlich über die Grenze schwappt. Die Mannschaft um Alphonso Davies geht als Favorit in die Partie, doch Südafrika hat keinerlei Druck und anders als der Co-Gastgeber nichts zu verlieren.

Drei Artikelempfehlungen

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