This website uses cookies

Read our Privacy policy and Terms of use for more information.

Matthias Ginter ist mit 20 Jahren und 175 Tagen der jüngste deutsche Weltmeister der Geschichte. Zwölf Jahre später könnte er auch der erste Deutsche werden, der den Pokal zweimal in die Höhe strecken darf. Er gibt zumindest alles dafür. Aktuell spielt der Innenverteidiger eine der besten Runden seiner Karriere, führte seinen Club bis ins Halbfinale des DFB-Pokals sowie der Europa League und weist mit 2,98 den besten kicker-Notenschnitt seiner Mannschaft auf.

Sein Problem? Er bringt diese Leistungen nicht für den FC Bayern München oder Borussia Dortmund, sondern für den SC Freiburg. Dort wirkt er wie ein Spieler, den alle respektieren, aber nur wenige wirklich auf dem Zettel haben. Zu erfahren, um noch als Zukunftsversprechen zu gelten. Zu langweilig, um die Schlagzeilen zu dominieren.

Gerade deshalb lohnt sich eine tiefere Analyse. Spielt Ginter wirklich eine Nationalmannschafts-Saison? Ist er aktuell stärker als Rüdiger, Anton oder Thiaw? Und wie weit steht die Tür zur WM tatsächlich noch offen? All das klären wir in der heutigen Ausgabe. Außerdem blicken wir in unserer Sechserkette auf die sechs überraschendsten WM-Nominierungen in diesem Jahrtausend.

Viel Spaß beim Hören, Lesen und Schauen!

Hier gibt’s was auf die Ohren

Lesestoff aus verschiedenen Perspektiven

In aller Kürze

Instagram post

Sechs überraschende WM-Nominierungen

Manche WM-Kader erzählen nicht nur von Stars, sondern auch von offenen Türen. Seit 2002 gab es immer wieder deutsche Spieler, deren Nominierung überraschte, weil sie spät kamen, wenig Glamour mitbrachten oder nur kurz im erweiterten Kreis auftauchten. Genau darin liegt die Nähe zu Matthias Ginter: Manchmal ist eine Berufung weniger Spektakel als Anerkennung.

1. Martin Max, WM 2002
Max war 2002 Bundesliga-Torschützenkönig und trotzdem kein selbstverständlicher WM-Kandidat. Er stand im erweiterten Kreis, reiste aber nicht mit. Seine Geschichte ist die eines Stürmers, dem die Lobby fehlte und der hinter Klose und Neuville nicht zum Zug kam, egal wie viele Tore er in der Bundesliga erzielte.

2. Daniel Bierofka, WM 2002
Bierofka rückte kurz vor der WM in Völlers Blickfeld und debütierte im Mai 2002 für die Nationalmannschaft. Am Ende blieb er zu Hause, doch für einen Moment wirkte er wie ein Spieler, der noch schnell auf den Zug springen könnte.

3. David Odonkor, WM 2006
Odonkor war die große Überraschung in Klinsmanns Heim-WM-Kader. Seine Qualität war klar umrissen: Tempo, Direktheit, Unberechenbarkeit. Gegen Polen wurde aus der Idee ein Moment, den viele bis heute sofort vor Augen haben.

4. André Hahn, WM 2014
Hahn spielte sich über eine starke Augsburger Saison in Löws vorläufiges Aufgebot. Er stand für Wucht, Laufwege und einen Bundesliga-Aufstieg im besten Sinne. Für den endgültigen Kader reichte es nicht, aber seine Nominierung zeigte, wie breit Deutschland 2014 aufgestellt war.

5. Shkodran Mustafi, WM 2014
Mustafi war erst dabei, dann gestrichen und nach Marco Reus’ Verletzung plötzlich wieder im Kader. Der Verteidiger von Sampdoria kam eher leise in dieses Turnier. Am Ende wurde er Weltmeister und blieb doch die wohl ungewöhnlichste Personalie dieses Kaders.

6. Nils Petersen, WM 2018
Petersen war 2018 die Freiburger Überraschung im vorläufigen Kader. Kein lauter Name, kein großes Versprechen, sondern ein verlässlicher Stürmer mit klarer Rolle. Dass er am Ende gestrichen wurde, macht seine Geschichte umso passender für Ginter: Leistung allein öffnet die Tür, durchgehen muss man trotzdem noch.

Eine letzte Kurve

Die beiden Innenverteidiger-Positionen der deutschen Nationalmannschaft sind mit Tah und Schlotterbeck gut besetzt. Dahinter stehen mit Rüdiger, Anton und Thiaw Spieler bereit, die für Champions League Clubs die Schuhe schnüren. Wieso also diskutieren wir hier über einen Spieler, der nur bei einem Europa League Club spielt?

Matthias Ginter spielt eine außergewöhnlich stabile Saison, er kennt Turniere, er kennt Nebenrollen, und er wäre als dritter, vierter oder fünfter Innenverteidiger vielleicht nicht die aufregendste, aber die vernünftigste Lösung. Dass er eine solche Rolle annehmen kann, hat er bereits beim WM-Triumph vor zwölf Jahren bewiesen. Dass man sich auf ihn verlassen kann, zeigt seine gesamte Karriere. Über 400 Bundesligaspiele, 51 Länderspiele, drei WM-Teilnahmen, ein Confed-Cup-Titel, Olympia-Silber. Ginter ist kein Lückenfüller, sondern ein Profi, der fast jede Rolle in fast jedem Kontext schon einmal erlebt hat. Und er wäre mehr als ein Maskottchen. Er hätte es sich aufgrund seiner sportlichen Leistungen verdient.

Beim Sport-Club weist er die beste Zweikampfquote, die beste Passquote und die meisten Ballkontakte pro 90 Minuten auf. Sein Stellungsspiel ist on point, seine Zweikampfstärke stellt er Woche für Woche unter Beweis. Und er wirft sich in jedes Duell, als ginge es um Leben und Tod. So oft wie Ginter mit blutiger Nase zu sehen ist, könnte man meinen, er spiele die Hauptrolle in einem Film von Quentin Tarantino.

Nagelsmann wäre töricht, würde er auf diese Erfahrung verzichten. Natürlich lässt sich erklären, warum Ginter seit fast drei Jahren nicht mehr berücksichtigt wurde. Andere waren jünger, schneller oder prominenter. Aber ein WM-Kader besteht nicht nur aus Helden. Der Blick in die Geschichte könnte Ginter Mut machen. 2014 wurde er ebenfalls erst kurz vor dem Turnier und überraschend Teil des WM-Kaders. Damals wie heute war er Spieler des SC Freiburg.

Danke, dass du SLALOM heute begleitet hast. Wir hoffen, die Kurve hat sich gelohnt.

Nächste Woche steuern wir das nächste Thema an. Hast du Themen, die dich beschäftigen oder möchtest du deine Meinung zur heutigen Thematik mit uns teilen? Dann schreibe uns gerne eine Nachricht auf Instagram oder per Mail.

Bis bald
Dein SLALOM-Team

Keep Reading