Ein mittelklassiger Bundesliga-Club wechselt fünf Spieltage vor Saisonende den Trainer, weil der sicher geglaubte Klassenerhalt doch noch zu wackeln droht. Um einen Nachfolger will man sich erst im Sommer kümmern. Der A-Junioren-Trainer, der auch schon einmal als Co-Trainer ausgeholfen hat, soll übernehmen. Soweit so unbedeutend.

Fügt man dieser Konstellation jedoch die Tatsache hinzu, dass eine Frau die Nachfolge von Steffen Baumgart bei Union Berlin antreten soll, wird daraus eine Sensation – und das zurecht. Marie-Louise Eta ist die erste Cheftrainerin, nicht nur in Deutschland, sondern auch in allen Top-Fünf-Ligen. Mit ihr beginnt eine Zeitrechnung, die hoffentlich zu keiner wird.

Denn mit ihrer Verpflichtung treten auch wieder die ekelhaften Fratzen des Sexismus, des Frauenhasses und der Respektlosigkeit aus dem Schatten, die so gar nicht in das Selbstbild des Fußballs passen. Doch was nun? Braucht Marie-Louise Eta Schutz, Schonfrist oder ist allein ihre neue Rolle bei Union schon Grund für einen neuen Feiertag im deutschen Fußball?

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Rappelvoller PK-Raum bei Union: Alle Augen auf Marie-Louise Eta 👏🏼 👉🏼 Marie-Louise Eta will sich nach den Diskussionen um ihre Rolle als V... See more

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🧐 Widerspruch an der alten Försterei? 🤝 Wer sich mit Union Berlin beschäftigt, weiß, dass sich Klub schon lange in die Förderung von Frau... See more

Eine letzte Kurve

Marie Louise-Eta tritt, klammert man ihr Geschlecht für einen Moment aus, in die Fußstapfen Vieler. Eine Besetzung wie die ihre ist gängige Praktik. Und genau so hat sie verdient, beurteilt zu werden. Sie ist weder “nur” eine Frau, noch ist alles was sie anfässt Gold. Ab dem ersten Spiel geht es um die Trainerin und um nichts sonst.

Dass ihre Verpflichtung ein PR-Stunt ist, ist genauso widerlegt wie die Behauptung, sie wäre nur eine von 18 Cheftrainer:innen. Sie hat sich verdient, dass Mann ihr zuhört und zusieht. In Anbetracht ihrer vermutlich kurzen Amtszeit ist eine überzogene Erwartungshaltung genauso wenig hilfreich wie Rückschlüsse auf ihre Person oder Trainerinnen generell.

Marie Louise-Eta hat sich eine Chance verdient, die noch keine Frau vor ihr erhielt. Damit wird sie automatisch zum Vorbild für andere Frauen und Mädchen, ja sogar zur Türöffnerin. Denn zeigt man den Männern in den Vorständen und Aufsichtsräten ein Best-Practice, gehen die Gegenargumente schneller aus. Sie hat die Chance, aber auch den Druck, den Mario Baslers und Kommentar-Schreibern zu zeigen, dass eine Frau im männerdominierten Fußball den Ton angeben kann.

Rein sportlich steht sie ihrem männlichen Vorgänger bisher in nichts nach. Zum Auftakt verliert sie gegen einen Abstiegskandidaten. Geschrieben wird hinterher jedoch mehr über das historsiche Debüt als über den Abstiegskampf. Es ist ein Debüt zum Vergessen.

Danke, dass du SLALOM heute begleitet hast. Wir hoffen, die Kurve hat sich gelohnt.

Nächste Woche steuern wir das nächste Thema an. Hast du Themen, die dich beschäftigen oder möchtest du deine Meinung zur heutigen Thematik mit uns teilen? Dann schreibe uns gerne eine Nachricht auf Instagram oder per Mail.

Bis bald
Dein SLALOM-Team

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