
Die letzten beiden Spiele der WM stehen an. Während sich am Sonntag Messis Argentinien und Spanien um den größten Titel im Weltfußball streiten, findet am Samstag das Europa-League-Finale der WM-Spiele statt: entzauberte Franzosen treffen auf resignierte Engländer. Die spannendste Frage wird sein, wer dieses Turnier weniger stark aufgegeben hat. Der kosmetische Eingriff, der als WM-Platz drei winkt, dürfte für beide immerhin begehrenswert genug sein.
Man muss kein Fan von Lionel Messi sein, um die Romantik seiner erneuten WM-Finalteilnahme zu erkennen. Eine Mannschaft, eine Nation, alle ordnen sich dem Erfolg unter, der mit La Pulga fast schon garantiert scheint. Das Einzige, was noch zum Partycrasher werden kann, ist eine Mannschaft, die seit der Jugend auf Kollektiv geschliffen wird und die die übermächtigen Franzosen auf den Hosenboden setzte.
Wer wird dritter: Frankreich - England
Frankreich kommt aus einem Halbfinale, in dem Spanien Les Bleus die Grenzen ihrer Kontrolle gezeigt hat: wenig Zugriff, kaum Durchschlagskraft, Mbappé weitgehend isoliert. England dagegen muss nach dem späten 1:2 gegen Argentinien vor allem Thomas Tuchels Mut-Debatte sortieren, weil seine defensiven Wechsel nach der Führung heftige Kritik ausgelöst haben und die Three Lions danach fast nur noch verwalteten statt zu spielen.
Taktisch wird entscheidend, wer dieses Spiel aus der Enttäuschung heraus aktiver annimmt. Frankreich dürfte wieder über Mbappé, Olise oder Dembélé in Umschaltmomente kommen wollen, braucht dafür aber mehr saubere Verbindungen aus dem Zentrum als gegen Spanien. England muss genau das verhindern, darf sich aber nicht erneut so tief fallen lassen, dass Kane vorne zum einsamen Prellbock wird und Bellingham nur noch zweite Bälle jagt.
Sportlich hat dieses Spiel um Platz drei mehr Reiz, als der ungeliebte Name vermuten lässt: Frankreich will nach dem verpassten dritten WM-Finale in Serie zeigen, dass dieses Turnier nicht nur aus spanischer Entzauberung bestand, England braucht nach dem nächsten großen K.o.-Schmerz einen Abschluss, der nicht wieder nach „hätte, wenn und aber“ klingt. Die größere individuelle Wucht liegt bei Frankreich, doch wenn England nicht noch einmal in den Rückwärtsgang flüchtet, ist das fast ein 50:50-Spiel mit leichtem Vorteil für Mbappé und Co.
Das große Finale: Spanien - Argentinien
Dieses Finale ist kein Duell zwischen Einzelspielern und Kollektiv, sondern zwischen zwei sehr unterschiedlichen Formen von Geschlossenheit. Spanien wirkt wie ein Team, dessen Kern seit Jahren dieselbe Idee atmet: viele Spieler kennen sich aus den Nachwuchsstufen, dazu kommen mit Rodri, Laporte oder Carvajal erfahrene Ordnungskräfte, die diesem jungen Mut Struktur geben. Yamal und Nico Williams öffnen Räume, Oyarzabal trifft, und hinten spielt Pau Cubarsí mit 19 Jahren so ruhig, als hätte er nie etwas anderes gemacht.
Argentinien funktioniert anders. Diese Mannschaft ist nicht glatt, nicht jung, nicht immer schön, aber sie ist für Messi zu einer unzerstörbaren Einheit geworden. Enzo Fernández schrieb Messi als 15-Jähriger einst einen Brief, in dem er ihn bat, weiter für Argentinien zu spielen, nun trifft er selbst im WM-Halbfinale und sagt, er habe immer von genau diesem Moment geträumt. Genau darin liegt Argentiniens Kraft: Hier reibt sich jeder für Messi auf, und Messi gibt es zurück, mit Pässen, Momenten und einer Autorität, die dieses Team auch durch wacklige Phasen trägt.
Taktisch wird es darum gehen, ob Argentinien Spaniens Rhythmus brechen kann, bevor Rodri, Cubarsí und Co. das Spiel in ihre Ordnung ziehen. Spanien hat die stabilere Struktur und wirkt über das gesamte Turnier betrachtet kompletter, Argentinien bringt dafür die beste Offensive, das größere Pathos und den letzten großen Messi-Glauben mit. Leichter Vorteil Spanien, weil diese Mannschaft defensiv stabiler und im Pressing klarer wirkt, aber wenn Messi noch einmal einen dieser Abende findet, an denen alle anderen nur seine Laufwege erklären dürfen, kann Argentinien Geschichte wiederholen.
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