
Als Spieler war er schnell, grazil und geschmeidig. Mit langen, markanten Schritten pirschte er über den Platz. Er wirkte nie gehetzt, sprach ohne Worte und nur mit den Füßen. Und er hatte diese Übersicht wie kein Zweiter. Doch es ist nicht nur die Eleganz in seinem Spiel, sondern auch die Wut und die daraus resultierenden Ausraster, die Zinedine Zidane zu Zizou machten, dieser Lichtgestalt des französischen Fußballs.
Zizou ist wohl der beste französische Spieler aller Zeiten, auch wenn man für Michel Platini vor ihm oder Kylian Mbappé danach ebenfalls Argumente anführen könnte. Als Sohn nordafrikanischer Einwanderer wurde er sowohl in kultureller als auch in sportlicher Hinsicht zu einer Symbolfigur, die tief im nationalen Bewusstsein verankert ist. Seine größte Stärke war es, große Spiele im Alleingang zu entscheiden. Das WM-Finale 1998. Das Champions-League-Finale 2002. Das WM-Viertelfinale 2006, als er es im drittletzten Spiel seiner Karriere mit ganz Brasilien aufnahm. Und natürlich das WM-Finale acht Tage später, als er seinen kahlen Schädel in die Brust des Italieners Marco Materazzis rammte. Sein ewig rätselhafter Konflikt zwischen stoischer Ruhe und unkontrolliertem Jähzorn hatte mal wieder nach einem Ventil geschrien.
Ein Jahrzehnt später führte er Real Madrid als unerfahrener Trainer zum ersten von drei Champions-League-Titeln in Folge, was keinem anderen Trainer jemals gelang. Und ein weiteres Jahrzehnt später, letzten Dienstag, wurde er zum französischen Nationaltrainer ernannt.
Was macht den Mythos Zizou aus? Wie gut war er als Spieler und wie gut ist er als Trainer wirklich? Und was verändert sich bei der französischen Nationalmannschaft durch den Trainerwechsel? All das klären wir in der heutigen Ausgabe.
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Eine letzte Kurve
Als Spieler war Zizou pragmatisch und ernsthaft. Jede seiner Bewegungen enthielt Sinn und Ziel. Er kombinierte Eleganz und Effizienz. Als Trainer ließ er einen Fußball spielen, der nicht alle mitriss, der pragmatisch und ernsthaft und vor allem aufs Gewinnen ausgelegt war. Oft gewann Real Madrid knapp, aber kontrolliert.
Zidane ist mehr Menschenfänger als Taktiknerd. Mehr Ancelotti als Guardiola. Doch anders als Don Carlo in Brasilien – auch anders als Klopp und Mancini, die anderen neuen Trainer großer Fußball-Nationen – muss Zizou nicht den kompletten Verband auf links drehen. Er übernimmt die französische Nationalmannschaft von Didier Deschamps in einem wesentlich besseren Zustand, als dieser sie 2012 nach Jahren der Selbstzerstörung übernommen hatte. Er wird den Weg seines ehemaligen Mitspielers fortsetzen, auch wenn er ein ganz anderer Charakter ist. Deschamps ist ein Mann des Volkes, Zidane hingegen eine Lichtgestalt mit überirdischem Charisma, eine Art französischer Beckenbauer.
Auch den Kaiser hat das Trainerfieber nie richtig gepackt. Doch wenn es um die Nationalmannschaft ging, begriff er es als seine Verantwortung. Die Erwartungshaltung an ihn ließ ihn kalt. Zidane ließ die Aussicht auf das Amt fünf Jahre die Füße stillhalten. Zu groß war die Verlockung, zu unvollendet seine Karriere in der Équipe Tricolore. Wer dreimal in Folge die Königsklasse gewann, dem ist auch zuzutrauen, dass er mit einer vor individuellen Klasse nur so triefenden Nationalmannschaft 2028 oder 2030 einen Titel holen kann. Zizous Trainerhandbuch mag zwar verstaubt sein, aber seine Klasse bleibt zeitlos.
Danke, dass du SLALOM heute begleitet hast. Wir hoffen, die Kurve hat sich gelohnt.
Nächste Woche steuern wir das nächste Thema an. Hast du Themen, die dich beschäftigen oder möchtest du deine Meinung zur heutigen Thematik mit uns teilen? Dann schreibe uns gerne eine Nachricht auf Instagram oder per Mail.
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