
Wenn Fußballstars oder ganze Vereine heute um die Welt reisen, geht es längst nicht mehr nur um Freundschaftsspiele und lockere Sommervorbereitungen. Diese Touren sind Teil eines globalen Geschäfts, bei dem Märkte erschlossen, Fans begeistert – und richtig viel Geld verdient wird. Doch manchmal geraten sie etwas aus dem Ruder. Kaum ein Beispiel zeigt das so deutlich wie Lionel Messis „GOAT India Tour“.
Viele Fans hatten umgerechnet über 100 Euro für Tickets gezahlt – in einem Land, in dem das ein erheblicher Betrag ist. Für ein Selfie waren sogar bis zu 10.000 Euro aufgerufen worden. Statt der angekündigten zwei Stunden zeigte sich Messi jedoch nur rund 20 Minuten im riesigen Salt-Lake-Stadion in Kalkutta, abgeschirmt von VIPs und Sicherheitskräften. Die Enttäuschung entlud sich sofort: Zuschauer warfen Sitze und Flaschen, stürmten den Innenraum, es kam zu Sachschäden in Millionenhöhe. Der Organisationschef wurde festgenommen, die Regierung kündigte eine Untersuchungskommission an, und Fans fordern Rückerstattungen – manche waren für den großen Moment über 600 Kilometer angereist und sahen nicht einmal Messis Gesicht.
In dieser Ausgabe schauen wir uns deshalb genauer an, warum solche Reisen überhaupt stattfinden, wie Klubs und Spieler damit neue Märkte erobern – und warum ausgerechnet in Indien so vieles schiefgehen konnte. Kurz: Was steckt wirklich hinter diesen Fußballtouren, und warum trifft es am Ende meist die Fans?
Drei Artikel aus verschiedenen Perspektiven
Ein anderer, kritischer Blickwinkel auf den Personenkult im Fußball
In aller Kürze
Für die Akademiker unter den SLALOM-Fans
Eine letzte Kurve
Internationale Touren ohne sportlichen Zweck sind keine Modeerscheinung im Fußball. Sie gibt es bereits seit den 1970er Jahren und dienen dem wirtschaftlichen Profit, oft reisen europäische Mannschaften in der Sommerzeit in die Ferne und kombinieren die Sommervorbereitung mit einem Marketing-Event. Auf der anderen Seite des Planeten nutzen Zehntausende Fans die einmalige Gelegenheit, ihren Helden näherzukommen, sie beim Training zu beobachten oder in lauen Vorbereitungskicks anzufeuern.
Die Messi-Reise nach Indien hat einen eigenen Charakter. Hier wurde nichtmal ein Hehl darum gemacht: Es geht rein um Werbeeinnahmen. Dass die heimischen Fans dennoch teilweise einen Großteil ihres Monatslohns liegen ließen, um den Argentinier im Spät-Herbst seiner Karriere einmal zu sehen, ist bemerkenswert, aber es lässt sich erklären. Er ist es ihnen wert. Skandalös hingegen ist, wenn sie ihn dann nicht einmal zu Gesicht bekommen. Wenn er nach 20 Minuten wieder abreist. Die Reaktion der Fans ist bemerkenswert. Ja, Vandalismus ist nicht die feine Art, aber schön, dass sich die einfachen Fans nicht alles gefallen lassen!
In Zeiten von Fifa-Friedenspreisen für Donald Trump, Fantasieticketpreisen für eine Weltmeisterschaft in drei Ländern oder einem völligen Überangebot an TV-Rechteinhabern würde man sich wünschen, es würden öfters Stadionsitze aus der Verankerung gerissen und aufs Feld geschleudert werden. Eine Diskussion rund um die Sicherheit in Stadien gibt es in Indien übrigens nicht. Keine Pointe.
Danke, dass du SLALOM heute begleitet hast. Wir hoffen, die Kurve hat sich gelohnt.
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Bis nächsten Montag!
Dein SLALOM-Team




