
Es ist Juni. Spätestens jetzt dreht sich alles im Fußball nur noch um die WM, die seit Monaten ihren Schatten vorauswirft und in zehn Tagen endlich losgeht. Der Anpfiff erfolgt im Aztekenstadion.
Bei all den Diskussionen rund um das aufgeblähte Teilnehmerfeld, wahnsinnigen Ticketpreise und der Schurkenhaftigkeit der FIFA liefert uns das Eröffnungsspiel direkt eine große Portion WM-Geschichte. Das Stadion in Mexiko-Stadt kann getrost als DAS WM-Stadion bezeichnet werden, ist es doch das erste, in dem Spiele von gleich drei verschiedenen Weltmeisterschaften stattfinden.
Ob das Duell Mexiko gegen Südafrika in die Geschichte eingehen wird, ist noch offen. Doch 1970 fand hier das Jahrhundertspiel zwischen Deutschland und Italien statt und 1986 erzielte Diego Maradona am selben Ort erst das berühmteste irreguläre Tor der Fußballgeschichte und in der selben Halbzeit das vielleicht schönste.
In dieser Ausgabe blicken wir natürlich auf diese legendären Momente, aber auch auf solche, die vor lauter Jahrhundert-Spektakel etwas untergingen, wie etwa die erste Fußball-WM der Frauen 1971. Dazu werfen wir auch kritische Blicke aufs „Estadio Banorte“ sowie Mexiko im Jahre 2026. Und in unserer Sechserkette blicken wir auf die größten Fußball-Tempel weltweit.
Vor allem wird diese Ausgabe aber der Auftakt in die WM-Wochen bei SLALOM. Zum Start wollen wir euch gleich mal unser WM-Tippspiel ans Herz legen. Mitmachen lohnt sich, denn die besten drei Tipper erhalten jeweils ein Trikot. Hier könnt ihr euch anmelden: https://www.kicktipp.de/slalom-wm-tippspiel/

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Sechserkette: Die sechs größten Fußball-Tempel
Das Aztekenstadion ist einer der größten Fußball-Tempel weltweit. In unserer heutigen Sechserkette blicken wir auf weitere Stadien, die ähnlich wie das mexikanische Aushängeschild voller WM-Historie sind und jeden Fußball-Fan beeindrucken.
Wembley, London
Wembley symbolisiert den englischen Fußball in einem Stadion: Tradition, Erwartungsdruck, Selbstinszenierung. Im alten Wembley gewannen die Three Lions 1966 ihren einzigen Titel, das neue 2007 eröffnete Stadium hat geenau so viel Aura.Maracanã, Rio de Janeiro
Das Maracanã ist Brasiliens großes Fußballgedächtnis. 1950 wurde es zum Schauplatz des Maracanazo, 2014 zur Bühne von Götzes Finaltor gegen Argentinien.San Siro, Mailand
San Siro ist Mailänder Wucht aus Beton, Licht und Erinnerung. 1934 und 1990 fanden hier WM-Spiele statt, dazu unzählige Nächte, in denen Milan und Inter Europa erzittern ließen.Santiago Bernabéu, Madrid
Das Bernabéu ist Real Madrids Machtzentrum. 1982 stieg hier das WM-Finale, seit Jahrzehnten riecht dieser Ort nach Europapokal, Grandezza und Dominanz in Weiß.La Bombonera, Buenos Aires
La Bombonera ist eng, steil, blaugelb und elektrisch. WM-Spiele fanden hier 1978 statt, doch ihr Mythos lebt vor allem von Boca, von der Kurve, vom dauernden Brodeln.Stade Vélodrome, Marseille
Das Vélodrome klingt nach Mittelmeer, Rauch und offener Rechnung. 1938 und 1998 war es WM-Ort, heute beherbergt es eine der lautesten Kurven Europas.
Eine letzte Kurve
Das Aztekenstadion ist ein würdiger Ort für das größte Turnier aller Zeiten. Denn es ist nicht weniger als das größte WM-Stadion aller Zeiten. Dort krönte sich Pelé 1970 zum dritten Mal zum Weltmeister, dort lieferten sich Deutschland und Italien einen unvergesslichen Schlagabtausch, dort spielte Maradona in einer Halbzeit sowohl Teufel als auch Gott. Dort fanden bereits 19 WM-Partien statt. Das Azteca ist kein Stadion, es ist ein Tempel.
Und wie alle alten Tempel hat auch dieser seine Schattenseiten. Rund um das Stadion kämpfen Anwohner mit Wasserknappheit und steigenden Mieten. In Mexiko gehört die Drogengewalt zum Alltag wie der Fußball. Die FIFA rief das größte Turnier aller Zeiten aus, doch die Menschen vor Ort können sich nicht einmal ein Ticket leisten. Dazu passt, dass aus dem Estadio Azteca nun offiziell das Estadio Banorte geworden ist. Das Stadion ist nicht nur Historie, sondern auch Gegenwart. Es ist ab nächster Woche auch Teil einer in allen Bereichen extremen WM. Drei Länder, 48 Teams, absurde Wege, absurde Preise.
Das Aztekenstadion liefert keine heile Fußballwelt. Es liefert etwas Besseres: einen Ort, der den Widerspruch aushält. Hier beginnt eine WM, die zu groß, zu teuer und zu überladen ist. Aber sie beginnt auch dort, wo der Fußball schon einmal größer war als alles, was ihn umgab. Historischer kann ein Eröffnungsspiel nicht sein. Und vielleicht braucht dieses Turnier genau das: einen alten Tempel, der laut genug brüllt, um uns daran zu erinnern, warum wir trotz allem wieder zuschauen.
Danke, dass du SLALOM heute begleitet hast. Wir hoffen, die Kurve hat sich gelohnt.
Nächste Woche steuern wir das nächste Thema an. Hast du Themen, die dich beschäftigen oder möchtest du deine Meinung zur heutigen Thematik mit uns teilen? Dann schreibe uns gerne eine Nachricht auf Instagram oder per Mail.
Bis bald
Dein SLALOM-Team



